75 Jahre "NABA" 1934 Zuerich


   
  
   
  
Die damaligen Wirtschaftsverhältnisse in der Schweiz erreichten einen beängstigenden Tiefpunkt und die politische Lage in Europa wurde zusehends schlechter und bedrohlicher. Der Erfolg der NABA 1934 war trotzdem recht gross und die Besucherzahl von 23'000 Personen übertraf die kühnsten Erwartungen. 

 

Die Post (damals PTT) unterstützte die NABA 1934 mit der Herausgabe eines Blockes zum Nennwert von 50 Rappen. Der Verkauf des Blockes erfolgte nur durch die Ausstellungsleitung. Jedes Eintrittsbillett zu Fr. 1.-- berechtigte zum Bezug eines NABA-Blockes gegen Bezahlung des Nennwertes von 50 Rappen. Als erster Sonderblock der Schweiz wird er auch in Zukunft bei den Sammler/innen ein Inbegriff bleiben. Der Block enthält 4 Werte aus der damaligen, neuen Dauerserie "Landschaftsbilder" und eine Beschriftung zur Ausstellung auf dem Blockrand. Dieser Neuerung standen die Sammler noch etwas skeptisch gegenüber. Im Spezialkatalog steht "Auflage 50'000, die vollständig ausverkauft wurden". Vereinsintern ist festgehalten "Am Schluss der Ausstellung blieb eine grössere Anzahl übrig, welche von OK-Mitgliedern übernommen wurden"!   
  
  
Nach dem Ausstellungskatalog präsentierten 142 Aussteller 173 Sammlungen, wovon 20 in der Ehrenklasse, 146 in der Konkurrenzklasse und 7 Jugendsammlungen (bis zum 17. Altersjahr). In den Gruppen philatelistische Literatur und Bedarfsartikel präsentierten 14 Aussteller ihre Erzeugnisse, wofür zum Beispiel Zumstein & Cie. von Bern allein 6 m2 Ausstellungsfläche benötigte.
 
Die 173 Sammlungen verteilten sich auf 65 Schweiz, 56 Europa, 28 Übersee- und Ge-neralsammlungen und 24 Luftpost. Die Sammlungen wurden auf rahmenähnlichen Flächen in m2 aufgelistet und/oder in Alben zu Handen der Jury präsentiert. Auf 1 m2 hatte es für 16 oder 20 Ausstellungsblätter Platz. Die Alben konnten nur direkt zu Handen der Jury oder in Vitrinen, mit einer Seite aufgeschlagen, eingeliefert werden. Die Platzmiete für die Ausstellungsflächen waren Fr. 10.-- für den ersten m2 und Fr. 8.-- für jeden weiteren m2. Die Platzgebühren für Alben in den Vitrinen waren Fr. 6.-- für den ersten und Fr. 5.-- für jeden weiteren Albumband. Die Alben nur zu Handen der Jury kosteten je Fr. 4.--. 88 Sammlungen waren nur auf den Ausstellungsflächen für die Besucher, 30 Sammlungen nur in Alben und 55 Sammlungen auf Ausstellungs-flächen und in Alben. Die 3 kleinsten Sammlungen benötigten nur je eine Ausstel-lungsfläche von ½ m2 (entspricht 8 oder 10 Ausstellungsblättern). Die umfangreichste Sammlung brauchte 9 m2 Ausstellungsfläche und 20 Alben z.H. der Jury. Der Sammler zahlte neben der Versicherung Fr. 154.-- Ausstellungsgebühren, was damals einem halben bis ganzen Monatslohn eines Arbeiters entsprach.
  
 Die Präsentationsfläche um-fasste total 594,5 m2 und ne-ben den zusätzlichen 257 Alben hatte die Jury noch 6 Schachteln mit 2'000 Briefen und 3 Kisten mit diversem Material zu bewerten. Rechnet man pro Album 55 Ausstel-lungsblätter -es gab Alben bis zu 80 Blättern -, wurden der Jury ca. 25'000 Ausstellungs-blätter zur Bewertung präsen-tiert.
 

Ausstellung "NABA" 1934 Zuerich
 
Die Bewertungen waren aus heutiger Sicht streng. Die Aussteller in der Ehrenklasse erhielten ein Ehrendiplom. In der Konkurrenzklasse gab es 117 Medaillen: 9 Gold, 37 Silbergold, 30 Silber und 41 Bronce. Die restlichen Sammlungen erhielten wohl wie bis 1959 üblich, ein Diplom. Für die Jugend gab es Prämien in Briefmarken.

 

Ausstellungs-Medaille

 


 
Interessant sind die Sammlungsbeschreibungen im Ausstellungskatalog. Während einige Sammlungen nur einen Titel haben, benötigte der grösste Beschrieb 1½ Katalogseiten. Es ist eine Aufzählung von Seltenheiten, wie Rayon I hellblau und Rayon II je mit vollständiger Kreuzeinfassung, Typentafel Poste Locale, Strubeli 10 Rp. im 20er Block, 40 Rp. im 9er Block, 2 Rp. im 25er Block bis zur blauen Portomarke auf Faserpapier im ungestempelten Viererblock. Die ganze Sammlung wurde auf 6 m2 und in 8 Alben präsentiert.
 
Hinweise zu einzelnen Marken, Stempeln oder Briefen auf den Ausstellungsblättern waren nicht üblich. Der Ausstellungskatalog enthält jedoch interessante Hinweise in den Sammlungsbeschreibungen. Nachfolgend sind einige Auszüge aus verschiedenen Beschreibungen: "Der Aussteller ist der Auffassung, dass das Sammeln von Poststempeln interessanter und aufschlussreicher ist, wenn es auch die vorphilatelisti-sche Zeit einschliesst" oder "Tiere sind auf Marken fast aller Länder vertreten. Eine Zusammenfassung solcher Marken und das Studium derselben ist äusserst interessant und lehrreich" (Motiv-Philatelie) oder (ausnahmsweise eine Sammlung mit Beschrif-tung) "Die Sammlung ist deutsch, französisch und englisch beschriftet" oder "Die Generalsammlung enthält ca. 36'000 Marken in Einzelstücken oder Blocks" und zum Schluss "Die Sammlung ist ein überkomplettes Objekt".  

hh
 
Literatur: Ausstellungskatalog NABA 1934, 100 Jahre SPhVZ und 100 Jahre VSPhV