Postbeförderung

 

Ab 1855 besorgte täglich eine Einspänner-Postkutsche die Strecke Zürich – Höngg – Weiningen – Würenlos – Baden. Ab 1877 fuhr dieser Postkurs wegen der neuen Bahnlinie Winterthur – Baden nur noch bis Würenlos und ab 1890 zweimal täglich Zürich – Weiningen, wobei der Abendkurs bis Geroldswil fuhr. Am 27. August 1898 wurde die Strassenbahn Zürich – Höngg eröffnet und gleichzeitig der Postkurs eingestellt. Darauf hin besorgte ein Fussbote die Post zwischen Weiningen und Schlieren.

Am 7. April 1901 nahm die LSB neu die Strecke Schlieren – Unterengstringen – Weiningen in Betrieb. Nun hatte auch der Fussbote Weiningen – Schlieren ausgedient. Für die neue Strecke beschaffte 1901 die LSB auf Kosten der Eidg. Postverwaltung einen zweiachsigen Anhängerwagen zum Posttransport. Der „Postrolli“. wurde bis ca. 1910 eingesetzt, dann verloren sich seine Spuren. Die relativ schwerfällige Handhabung führte zur Ausrangierung. Der Posttransport, diese Kurse waren im Fahrplan speziell gekennzeichnet, fand dann bis 1931 mittels Körben auf den Plattformen statt.

 

„Der Postrolli“, links mit dem gelben „Lisebethli“

Das Tram-Museum Zürich machte es sich 1995 zur Aufgabe, mit wenigen noch vorhandenen Unterlagen (Zusammenstellzeichnung gemäss nachfolgender Abbildung) und mit der Hilfe von 2 Ingenieurstudenten im Rahmen ihrer Diplomarbeit 80 Konstruktionszeichnungen neu zu erstellen und mit diversen grosszügigen Unterstützungen den Postrolli Schlieren - Weiningen betriebsfähig nachzukonstruieren, inkl. Briefeinwurfskasten.

 

            Zusammenstellzeichnung des Postrolli aus dem Jahre 1901

Auf der Strecke Schlieren – Weiningen fuhr von 1901 bis 1931 der Tramtyp „Ce 2/2“. 1931 wurde die LSB von den Zürcher Strassenbahnen übernommen, die vorhandenen Wagen wurden abgebrochen, verkauft oder als Dienstwagen weiter verwendet. Der Wagen Nr. 2 gelangte in den Besitz der Martigny-Châtelard-Bahn (MC) und verkehrte dort bis 1974 als Wagen Nr. 81. 1974 übernahm das Tram-Museum Zürich den Wagen und stellte erstaunt fest, dass unter dem Anstrich der MC-Bahn der gelbe, ursprüngliche LSB-Anstrich mit Beschriftung und der Wagen-Nr. 2 zum Vorschein kamen. S’Lisebethli, wie das Tram nun liebevoll genannt wird, wurde in vielen Arbeitsstunden auf das ursprüngliche Aussehen und Betriebsfähigkeit restauriert.

Am 14. Mai 2009 fährt s’Lisebethli am Nachmittag die Ehrengäste zur Eröffnungsfeier der Nationalen Briefmarken-Ausstellung züri09 im UBS Sport- und Seminarzentrum Guggach beim Bucheggplatz. Selbstverständlich wird es ein Postkurs sein, wobei im Postrolli auch Ausstellungs-Sonderpost vom Bellevue-Platz nach dem Bucheggplatz befördert wird.                                                hh

Quellennachweis und Abbildungen Tram-Museum Zürich (TMZ) (www.tram-museum.ch)

Öffnungszeiten TMZ     
 April-Oktober         MI 14.00-17.00, SA 13.00-18.00, SO 13.00-17.00 Uhr
November-März    MI 13.30-16.30,  SO 13.30-16.30 Uhr